„Das Stadion als Klassenzimmer“

Die „Stadionschule“ – ein gemeinsames Bildungsprojekt vom Fan-Projekt Bielefeld und dem DSC Arminia – schaut auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurück. Höchste Zeit, noch einmal eine Sitzung im außergewöhnlichen Klassenzimmer zu besuchen und ein Resümee zu ziehen.

„Was war früher dein Traumjob?“, fragt ein Junge im Sitzkreis der Stadionschule Arminias Torhüter Wolfgang Hesl und schaut ihn mit gespannten Augen an. Seine Antwort ist fast vorherzusehen: „Fußballprofi natürlich, das ist von vielen der Jugendtraum“, antwortet der 30-Jährige. Dennoch betont er, sich früher auch über Alternativen Gedanken gemacht zu haben. Denn das Privileg, professioneller Fußballer zu werden, werde nicht jedem zuteil.

Ziemlich genau beschreibt diese Szenerie das, was die Stadionschule jungen Leuten vermitteln möchte: Frei nach dem Motto „Das Stadion als Klassenzimmer“ schafft sie im Presseraum der SchücoArena für die Schulklassen, die an dem Projekt teilnehmen, eine angenehme Atmosphäre zum Lernen, zur präventiven Arbeit oder auch zur Berufsorientierung. Mehr als 30 Berufe werden den Schülern hier mittlerweile vorgestellt – und das nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch: Egal ob Altenpfleger, Kaufmann im Einzelhandel, Koch oder Straßenbauer – die Berufstätigen, die sich hier vorstellen, versuchen die Kinder und Jugendlichen so gut wie möglich an ihr täglich Brot heranzuführen.

Finanziert wird die Stadionschule dabei von der Bundesliga-Stiftung, der Aktion Mensch und der REGE der Stadt Bielefeld. Weitere Förderer sind Arbeit und Leben Bielefeld und die von Laer Stiftung. Teilnehmen können alle Schulen rund um Bielefeld und alleine in diesem Jahr wurde das auch nahezu wöchentlich wahrgenommen, insgesamt waren mittlerweile über 2.000 Schüler zu Besuch im außergewöhnlichen Klassenzimmer. Zudem wurde ein „Stadionschule Spezial“ ins Leben gerufen, das u.a. von einer Wohngruppe von unbegleiteten, jungen Flüchtlingen in Anspruch genommen wurde.

Neben der Berufsorientierung spielt in der Stadionschule auch die Schulung sozialer Kompetenzen eine Rolle. So können die Teilnehmenden vorab aus Modulen wie bspw. Inklusion, Zivilcourage oder Demokratieerziehung Präferenzen wählen und werden in drei Tagen bestmöglich in diesen Bereichen geschult. In diesem Jahr wurde die Stadionschule für ihr Engagement auf Länderebene mit dem Förderpreis „Stern des Sports“ ausgezeichnet, der das soziale Engagement von Sportvereinen würdigt. Insgesamt war das Jahr 2016 für die Stadionschule ein sehr erfolgreiches, findet auch Leiter Tobias Mittag vom Fan-Projekt: „Wir sind stolz, dass wir in diesem Jahr so viele Angebote für so viele unterschiedliche Gruppen anbieten konnten. Die Vielseitigkeit der Teilnehmer war einfach toll. Wir haben etwas mit blinden Menschen gemacht, mit Geflüchteten, mit Realschülern, mit Hauptschülern und es ist schön, dass wir es im Team immer wieder hinkriegen, bei dieser Unterschiedlichkeit trotzdem immer ein bisschen Feuer auszulösen und die Leute zu begeistern. Wir haben in diesem Jahr viel Neues ausprobiert und wollen da auf jeden Fall in 2017 anknüpfen.“

Für Wolfgang Hesl wäre die Berufsalternative neben dem Profifußball übrigens ein Job bei der Polizei gewesen. Zudem verriet er seine beruflichen Ziele nach der aktiven Karriere, die er aber – wenn möglich – erst in vier bis fünf Jahren anstrebt. Danach möchte er „in den Trainerbereich. Dort gibt es verschiedene Scheine, die ich noch während meiner aktiven Laufbahn machen möchte“ und macht den Kindern mit diesem Satz noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, sich frühzeitig mit der Zukunft auseinanderzusetzen.